Staatsoperette Dresden


Apollo-Theater und Deutsche Volksbühne Dresden 1945 - 1949

Operettentheater Dresden 1950 - 1958

Im Verband der Staatstheater 1959 - 1967

Die Staatsoperette 1968 - 1989

Das Theater von 1990 - 2003

Die Intendanz Wolfgang Schaller 2003 - 2019

Die Entwicklung der Staatsoperette seit 2019

Bestand im Theaterarchiv Schwarze Dresden

Bildergalerie

Einziges selbstständiges Operettentheater Deutschlands
Operette | Musical | Revue | Oper | Konzert


Das beliebte und traditionsreiche Theater blickt 2022 auf eine 75jährige Geschichte zurück.
Sein einzigartiges Ensemble von Spezialisten in allen Sparten und Bereichen, Genre-prägende zeitgemäße Inszenierungen und intensiver Austausch mit dem Publikum sicherten der Staatsoperette über diese lange Zeit eine führende Position im kulturellen Leben Dresdens und sorgten für ihr internationales Renommee.
Vom Nachkriegsprovisorium in einem umgebauten Gasthof im Stadtteil Leuben bis zum modernen Showtheater im Kraftwerk Mitte war es ein langer Weg. Gepflastert mit materiellen und ideologischen Schwierigkeiten, führte er durch viele Täler immer wieder auf Höhen der Kultur. All die vielseitigen Künstlerinnen und Künstler und erfinderischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der technischen Bereiche, die ihn in beispielhaftem Zusammenhalt gingen, jedes Opfer auf sich nahmen und nie den Humor verloren, bekamen stets Rückenwind durch die Beifallsstürme der Dresdner und ihrer Gäste.




Apollo-Theater und Deutsche Volksbühne Dresden 1945 - 1949

Der Gasthof Feenpalast 1938

Unmittelbar nach dem katastrophalen Ende des faschistischen Krieges wagten im zu Tode verwundeten Dresden einheimische und zugereiste Kunstschaffende den kulturellen Neuanfang. Unter ihnen war auch der Entertainer und Theaterunternehmer Fritz Randow (geb. 22. Januar 1891 Berlin, gest. 28. Februar 1953 Dresden). Da alle Volkstheater im Zentrum in Schutt und Asche lagen, setzte er sein gesamtes Vermögen ein und pachtete im Juli 1945 den 1889 erbauten Gasthof »Feenpalast« im Stadtteil Leuben, um ihn zu seinem privaten Operettentheater umzubauen. Unter ungeheuren materiellen und bürokratischen Schwierigkeiten verwirklichte Randow seinen Plan. Die unehrenhafte Entlassung aus Pachtvertrag und Direktion des Central-Theaters Ende 1941 empfand er als tiefe Kränkung und Ungerechtigkeit und sah sich im Recht, die Reste dieses Theaters als Entschädigung an sich zu bringen. Aus den Ruinen des »Central-Theaters« und des »Universum-Kinos« im Stadtzentrum (Eigentum der »Aktiengesellschaft für Bauten«) liess er alles brauchbare Baumaterial, Elektrik und die reparable Obermaschinerie der Bühne zum großen Teil illegal, aber mit Billigung der KPD entnehmen und über zehn Kilometer mit Pferdewagen auf seine Baustelle transportieren, denn die Beschaffung von Benzin für Lastwagen war schwierig. Ebenso die Bereitstellung von Baustahl,Holz, Kalk und Arbeitskräften.

Blatt 1 der Baustoff-Entnahmeliste Theaterunternehmer Fritz Randow Während die Arbeiten an Bühnenhaus und Großem Saal immer wieder stockten, zog der Kleine Saal bereits seit Weihnachten 1945 als »Apollo-Künstlerspiele« das Publikum an.

Programmzettel der Künstlerspiele Lachen, Hoffen, Weiterleben - das war die Devise. Der Hungerwinter 46/47 brachte Bau- und Theaterbetrieb zum Erliegen. Doch ab März 1947 wurde wieder gespielt und mit allen Kräften an der Fertigstellung des Zuschauerraums mit seinen 800 Plätzen, der 27 mal 16 Meter großen Bühne, der meisterhaft gemauerten Bühnenportale, des Orchestergrabens für 50 Musiker und der Garderoben für 100 Künstler gearbeitet.
Als das Theater am 18. August 1947 festlich eröffnet wurde, hielt Gründer Randow seine erste und letzte Ansprache. Die SED hatte ihn längst kaltgestellt und das Haus – ebenso wie die »Constantia« in Cotta – für die neue »Deutsche Volksbühne Dresden GmbH« vereinnahmt. Der erste Bauabschnitt war nicht abgeschlossen, der zweite nicht abzusehen. In fünf Jahren sollten neue Theater im Zentrum stehen. So begann die 69-jährige Geschichte eines Provisoriums.

Grundriss der Unterbühne im Theater Leuben

Sauer, Bochmann und Pitra Programmzettel Lustige Witwe 1947



Operettentheater Dresden 1950 - 1958



Bilder 1947-1950
Schneider von Schoenau Ensemble


Freier Wind 1955

Intendant Peter Bejach



Im Verband der Staatstheater 1959 - 1967

Nach dem Verlust der „Vereinigten Volksbühne“ in Dresden-Cotta 1947 musste Fritz Steiner elf Jahre darauf warten, wieder Theaterdirektor in Dresden zu werden. Als es am 18. Oktober 1958 endlich soweit war, stürzte er sich mit ungeheurer Energie in die Arbeit.
In seinem ersten Zeitungsinterview am 25. Oktober schlug er genau die Töne an, die die SED-Funktionäre aus dem politisch in Verruf geratenen Theater in Leuben hören wollten. Der clevere Theatermann beschwor die Bedeutung der künstlerischen Massenarbeit in den Betrieben, kündigte Programme zum 40. Jahrestag der KPD und die Gründung von Agitprop-Gruppen an und berichtete von der 1. Ökonomischen Konferenz, auf der seine Mitarbeiter über die künstlerischen, politischen und ökonomischen Aufgaben des Theaters diskutierten.

Drapiert mit solcherart ideologischem Feuerwerk verwirklichte Steiner von da an sein über Jahrzehnte vervollkommnetes Konzept eines fortschrittlichen, bildenden und musikalisch innovativen Unterhaltungstheaters. Dabei setzte er neben ausgewählten Stücken aus dem Erbe vor allem auf neue Werke, die das Operettentheater in Auftrag gab oder aus dem In- und Ausland übernahm. Er sah die Entstehung eines neuen Musiktheater-Repertoires als organischen Wachstumsprozess, in dem Entwicklung nur durch mustergültige Aufführungen stattfinden konnte und dabei auch Misserfolge beim Publikum in Kauf genommen werden mussten.

Um die gewünschte dramatische Wirkung auf die Zuschauer zu erzielen, erneuerte er das Ensemble von innen heraus mit dem Typus des „Sänger-Darstellers“. Das war der dramaturgisch mitdenkende, singende und tanzende Schauspieler, wie Steiner selber einer war und wie er ihn in seiner Operettenklasse, die er seit 1949 an der Musikhochschule Dresden führte, erfolgreich heranzog. Dieser Typ des Komödianten war nicht neu und im Volkstheater immer präsent, er war nur in Vergessenheit geraten und wurde nun für das realistische Musiktheater wiederentdeckt und neu definiert.

In der Arbeit schonte der neue Direktor weder sich selbst noch das Ensemble. 35 Vorstellungen im Monat wurden die Norm. Hohe Bedeutung maß er einer intensiven Bindung der Künstler an ihr Publikum bei. Podiumsdiskussionen über die Inszenierungen wurden ebenso selbstverständlich wie der massenhafte Einsatz der Leubener Theaterleute als gefragte Leiter im künstlerischen Volksschaffen und Mitglieder sozialistischer Brigaden in Dresdner Betrieben. 1963 regte er die Gründung einer „Arbeiteroperette“ im Sachsenwerk Niedersedlitz an. Der Solist und Regisseur Richard Stamm und 15 weitere Kollegen versuchten einige Jahre ihr Bestes, um die begeisterten Laien zu einigermaßen vorzeigbaren Bühnenauftritten zu bringen.
Hier wurden auch die Grundlagen für den späteren „Extra-Chor“ des Theaters aus werktätigen Hobby-Sängern gelegt. So schuf Fritz Steiner die ab 1963 so benannte „Staatsoperette“, wie sie die Zuschauer bis 1989 erlebten und liebten. Dass das Theater wegen seiner ständigen plakativen Bekenntnisse zum Sozialismus im Volksmund bald „rote Operette“ hieß, tat seinem Erfolg keinen Abbruch. Die Qualität und der Unterhaltungswert der Aufführungen sprachen für sich.
(Andreas Schwarze "Metropole des Vergnügens" Saxophon 2016, S.140)

Für diese Vielfalt neuer Aufgaben mobilisierte Fritz Steiner Autoren, Komponisten, Regisseure und Bühnenbildner, frischte das Ensemble mit jungen, vielseitigen Künstlern auf. Die Dirigenten Manfred Grafe, Karl-Heinz Hanicke und Siegfried Fischer beschritten mit Orchester und Chor neue Wege, das Ballett wurde von Rudolf Klüver und Ingeborg Kassner geprägt, der Erfindungsreichtum von Eberhard Ahner, Harry Schulz, Axel von Flocken und Siegfried Rennert zauberte überraschende und geschmackvolle Ausstattungen. In Leuben entstand eine ganz außergewöhnliche, prickelnde Theateratmosphäre, alle Mitarbeiter und Gäste des Hauses wurden zu einer verschworenen Gemeinschaft voller Kreativität und Energie. Ein besonderer Coup Steiners war das Engagement von Mitgliedern des Staatsschauspiels Dresden als Musical-Darsteller.


Bilder von 1961-67

My Fair Lady 1965
Baufälliges Haus 1967


Die Staatsoperette 1968 - 1989


Die technischen und baulichen Bedingungen, unter denen alle Abteilungen Höchstleistungen erbrachten, wurden immer untragbarer.
Nur drei Holzbaracken hinter dem Bühnenhaus (errichtet 1950-54), ein neues Gestühl (1956) und einige unumgängliche technische Erneuerungen im Bühnenbereich (so 1965 ein neues Beleuchtungsstellwerk) waren dem Theater seit seiner Eröffnung nach langen Diskussionen zugebilligt worden.

Die Kulissen mussten bei Wind und Wetter täglich über den Hof und eine zwei Meter hohe Rampe zur Bühne und wieder in die Remise geschleppt werden, denn es gab weder Hinterbühne noch Dekorationslager. Stückproben konnten in Ermangelung eines Probesaales ausschließlich auf der Bühne stattfinden. Das Ballett tanzte in einem umfunktionierten Gaststättenraum im Vorderhaus um eine dicke Eisensäule herum. Die Musiker drängten sich im engen Orchestergraben, Chor und Solisten traten über eine schmale gewundene Holztreppe zur Bühne auf und ab. Die Maskenbildnerei befand sich in einem winzigen Raum am Orchestergang und verfügte lediglich über vier Plätze, Bärte, Perücken und alles Material wurde in Kisten gelagert. Ein Neubau in der Innenstadt blieb weiterhin Planungsphantasie, Geld und Baukapazität dafür standen der Stadt Dresden nicht zur Verfügung. Seit Ende der sechziger Jahre war die Operette vom baupolizeilichen Aus bedroht.
Das Zauberwort, das den Betrieb in Gang hielt, hieß „Eigenleistung“. Neben ihrer täglichen Arbeit renovierten und reparierten Techniker und sogar Künstler mit dem Zahn der Zeit um die Wette. In letzter Minute wurden bis 1977 die notwendigsten Rekonstruktionsmaßnahmen am historischen Gebäude durchgeführt und ein Anbau mit Ballett- und Probesaal, modernen Garderoben und Sanitäreinrichtungen, Kantine und Hinterbühne errichtet. Dabei packten alle Mitarbeiter kräftig mit an. Die Spielstätte bekam endlich einen Fahrstuhl für die Kulissen, eine Drehbühne und neue Ton- und Lichttechnik. Damit war aber auch die Idee einer „Operette im Zentrum“ erst einmal wieder für lange Zeit vom Tisch und neben dem Leubener Neubaugebiet ein „Kulturzentrum Dresden-Ost“ entstanden.
(Andreas Schwarze "Metropole des Vergnügens" Saxophon 2016, S.148)




Abschied Georg Wörtge 1973

Cabaret 1976 Maja-Rosewith Riemer
Steiner und Stövesand in Cabaret 1976

Als ältester Sohn des Staatsschauspiel-Ehrenmitgliedes Hermann Stövesand lernte der junge Reinhold Stövesand das Theaterhandwerk von der Pike auf und stand bereits 1951 mit zwölf Jahren als „Tell“-Knabe auf der Bühne des Großen Hauses. Nach ersten kleineren Rollen in Dresden folgten einige Lehrjahre an anderen Theatern, bevor er 1962 ans Staatsschauspiel zurückkehrte. Dort spielte er unter anderem den Don Carlos. 1965 betrat Stövesand erstmals die Leubener Bretter, als Gast in der Rolle des Algernon in „Mein Freund Bunbury“. Bis 1988 sollte er hier über 30 Rollen spielen. Er wollte mit Leib und Seele Musical-Darsteller sein und fand in der Staatsoperette seine ideale Wirkungsstätte.(...)

Reinhold war ein einfacher, herzlicher Mensch mit großer Ehrfurcht vor der Kunst und den Künstlern. Kommunistisch erzogen, war er vom Sozialismus als bester aller Ordnungen des menschlichen Zusammenlebens überzeugt. In Fritz Steiner mit seiner Vision eines neuen Volkstheaters, die sich aus uralten Theatertraditionen und ganz neuen Formen und Inhalten nährte, erblickte er seinen künstlerischen Mentor und väterlichen Freund. Stövesands Enthusiasmus und seine Lernbereitschaft, der klare politische Standpunkt und sein offenes und kollegiales Wesen prädestinierten den jungen Schauspieler in den Augen von Theater- und Parteileitung als Nachfolger Steiners.

Als dieser jedoch 1977 so unerwartet aus seinem Arbeitsleben gerissen wurde, sollte zunächst der dichtende Verwaltungsdirektor Hartmann (er hatte im Auftrag Steiners einige Libretti für neue Werke verfasst) die Zügel in die Hand nehmen, bis Steiners Ziehsohn die Weiterbildung zum staatlichen Leiter absolviert haben würde. Den Interimsintendanten ereilte jedoch bald ein Herzinfarkt und so wurde Reinhold Stövesand 1978 mit 39 Jahren Intendant der Staatsoperette Dresden. Zu seiner Amtseinführung am 21. Juni 1978 versammelten sich in Leuben die Vertreter von Partei und Stadtrat und die Intendanten und Leiter der Dresdner Theater und Kulturhäuser. Auch Gerd Natschinski, frischgebackener Intendant des Metropol-Theaters Berlin, und viele Delegationen befreundeter Dresdner Betriebe gratulierten dem sichtlich bewegten Hoffnungsträger der modernen Dresdner Kulturpolitik.
(Andreas Schwarze "Metropole des Vergnügens" Saxophon 2016, S.151)




Bilder Amtszeit Stövesand
Die marode Technik bis 1990


Inszenierung Evita 1987 Inszenierung Alexis Sorbas 1988

Inszenierung Der König David Bericht 1989 Das Theatergebäude 1989 zum Anfang der Seite


Das Theater von 1990 bis 2003


Nach den gesellschaftlichen Umwälzungen im Herbst 89 führte Verwaltungsdirektor Jürgen Eggert als amtierender Intendant das Theater mit Umsicht und Augenmaß durch die Irritationen der Nachwendezeit. Befreit von ideologischen Zwängen, setzte in Dresden eine breite Diskussion über den Weg zur europäischen Kulturstadt ein. Wieder dachte man über Standorte für ein neues attraktives Operettenhaus nach, aber unklare Besitzverhältnisse und fehlende finanzielle Mittel machten Baupläne für Albert- oder Sachsenplatz zunichte.

Der betagte Bau in Leuben wurde deshalb nochmals einer umfassenden Rekonstruktion unterzogen, für die die Stadt Dresden 22 Mio. DM aufwandte. In der ersten Etappe wurden der Orchestergraben verbreitert und mit einem Laufsteg versehen, die Obermaschinerie von 1947 (geborgen aus der Ruine des Central-Theaters) ersetzt, die Beleuchtungs- und Tontechnik auf den neuesten Stand gebracht und Zuschauerraum, Foyer, Gaststätte und Fassade renoviert.

Der Saal 1992 An die Spitze der Staatsoperette trat 1990 erstmals eine Frau. Die Theaterwissenschaftlerin, Autorin und Regisseurin Elke Schneider stellte sich der Aufgabe, dieses Theater in seiner Spezifik zu erhalten und ohne Personalabbau in die Marktwirtschaft zu führen. Als Entwicklungsziel für das nächste Jahrzehnt wurde bereits der Übergang von einem Operettentheater klassischer Prägung zu einer Spielstätte, in der die moderneren Formen des musikalischen Unterhaltungstheaters überwiegen, konzeptionell festgelegt. Ihr Leitungsteam bestand aus Verwaltungsdirektor Jürgen Eggert, Oberspielleiter Lothar Arnold, Chefchoreografin Eva Reinthaller, Musikdirektor Volker Münch, Chordirektor Siegfried Fischer, Ausstattungsleiter Siegfried Rennert, den Dramaturgen Peter Gunold und Wolfgang Dosch (beide auch auf der Bühne zu Hause) sowie dem Technischen Direktor Christfried Scharfenberg. Sie waren angetreten, dem Publikum weiterhin anspruchsvolle Unterhaltung zu bieten und dafür alle neuen künstlerischen und technischen Möglichkeiten zu nutzen. Am 3. November 1990 wurde das modernisierte Theater mit einer prächtigen Inszenierung der seit 1963 hier nicht mehr gespielten „Fledermaus“ eröffnet.

Die Fledermaus 1990 Mit Herz, Verstand und Humor gelang es der „Chefin“, das Ensemble aus jungen und altbewährten Mitarbeitern zu Höchstleistungen zu motivieren. Unter ihnen waren nun auch westdeutsche, südafrikanische, österreichische und amerikanische Künstler, die zu „Freundschaftspreisen“ Engagements in Dresden antraten. Sie genossen die Atmosphäre und die Art und Weise der Interpretation von Operette und Musical auf der Leubener Bühne sehr und eroberten die Herzen der Dresdner Zuschauer und Kollegen mit ihren erstklassigen Leistungen im Sturm.
(Andreas Schwarze "Metropole des Vergnügens" Saxophon 2016, S.151-162)

Inszenierungen 1992-94 Im gesamten deutschsprachigen Raum wurde das Dresdner Haus nun als einziges eigenständiges Operettentheater wahrgenommen. 1992 gründeten Hamburger und Dresdner Geschäftsleute das »Dresdner Operettenforum e. V.« zur »Unterstützung der Kunstgattung Operette und zur Verbreitung sächsischen Kulturgutes in Europa«. 2009 fusionierte dieser Verein mit dem 2002 gegründeten "Förderverein" zum "Förderforum e.V.".
Operettenbälle mit großer Besetzung aus Dresden wurden das Saison-Highlight im »Atlantic- Kempinski- Hotel« in Hamburg und später auch eine Dresdner Tradition.

Engagiert und mit vielen Projekten und Spendenaktionen kämpfte der Verein an der Seite der Theaterschaffenden und des Dresdner Publikums erfolgreich sowohl gegen eine drohende Schließung der Staatsoperette als auch für die "Operette im Zentrum". Unter den Vorsitzenden Manfred ten Bosch, Prof. Dr. Werner Patzelt und - seit März 2022 - Dr. Marlies Volkmer, war und ist das "Förderforum der Staatsoperette Dresden e.V." bis heute ein offener und zuverlässiger Partner für Ensemble und Theaterleitung.

Seit 1992 äußerten Agenturen den Wunsch nach Gastspielen des Theaters. Auf vielen Reisen von Aschaffenburg bis Winterthur eroberte sich fortan das Ensemble mit Qualität und Ausstrahlung ein neues Publikum.




Das Orchester 1993 Der Nussknacker 1993
Singin' in the Rain 1994


1995 wurde Fritz Wendrich, der ehemalige Generalintendant des Nationaltheaters Weimar, Intendant der Staatsoperette Dresden. Er knüpfte an das Erreichte an, führte Bewährtes fort und erweiterte das Spektrum künstlerischen Ausdrucks. Gemeinsam mit dem neuen Chefdirigenten Volker M. Plangg und dem Regisseur Ralf Nürnberger begann er, bekannte Werke neu zu interpretieren und neue Stücke nach Dresden zu holen. Klassiker von Offenbach, Strauß, Lincke und Lehár blieben die Grundlage des Repertoires. Aber deutsche Spielopern und Symphonische Konzerte fanden nun ebenso ihren Platz im Spielplan wie die deutschen Erstaufführungen der Webber- Musicals »Aspects of love« und »The beautiful Game«. Wendrichs Credo: »Wir müssen dem Werk, aber auch den Kindern des heutigen Zeitalters gerecht werden… Bei der Regie gibt es Platz für verschiedene Möglichkeiten, aber es muss etwas mit mir und meinem Leben zu tun haben, sonst interessiert es mich nicht« (Interview 2002).

Werbeauftritt Hauptstrasse 3. Oktober 1997
Die Jahrhundertflut im August 2002 erreichte auch das alte Haus in Leuben. Danach machte sich die Belegschaft voller Elan an die Beseitigung der Schäden und die Vorbereitung der neuen Spielzeit, die mit der »Lustigen Witwe« eröffnet und der deutschen Erstaufführung von Webbers »Beautiful Game« fortgesetzt werden sollte. Wie eine Bombe schlug im Oktober 2002 die Nachricht ein, dass Oberbürgermeister Ingolf Roßberg und sein Kulturbürgermeister Vogel auf Grund der prekären Haushaltslage die Schließung der Staatsoperette und anderer Kultureinrichtungen forderten. Intendant Fritz Wendrich und sein Vize Eggert kämpften von nun an gemeinsam mit Künstlern, Politikern und der Dresdner Bevölkerung für die Rettung des Volkstheaters. Michael Grötsch gründete den »Förderverein der Staatsoperette Dresden e. V.«, 107.000 Unterschriften für den Erhalt des Theaters wurden gesammelt und überzeugten den Stadtrat, der sich einstimmig zur Operette bekannte. Die erste Gefahr war gebannt, aber die Diskussion über Rechtsform und Standort der Spielstätte entbrannte neu.


Inszenierungen Intendanz Wendrich

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Die Intendanz Wolfgang Schaller 2003 - 2019



Wolfgang Schaller, der das Steuer 2003 von Fritz Wendrich übernahm, stellte sich nun gemeinsam mit seinen über 250 Mitarbeitern der Aufgabe, dem Operettentheater in Dresden eine Zukunft zu geben.

Spielzeiteröffnung 2003

Zu Beginn der Spielzeit 2003/04 wurden die Schließungsabsichten als politischer Fehler zurückgenommen und dem Theater ein Neubau in der Innenstadt avisiert. Mehrere Projekte und Finanzierungsmodelle kamen in den folgenden Jahren auf den Tisch, wurden öffentlich diskutiert, geändert, verworfen.
Derweil nagte der Zahn der Zeit weiter an der 150 Jahre alten Bausubstanz hinter der freundlichen Operettenfassade. Rekonstruktion, Fusion, Neubau- die Wogen schlugen hoch. Mit einem neuen Haustarifvertrag verzichteten die Theaterleute über Jahre auf 8 Prozent ihres Gehaltes, um 14 Millionen Euro für einen Neubau beizusteuern.

2008 kam schließlich die Vision vom »Kulturkraftwerk Mitte« als Kreativzentrum und Doppelstandort für die Operette und das Jugendtheater mit gemeinsamen Werkstätten auf. Nach einem zähen politischen Ringen um diesen und andere Standorte sowie die Finanzierung wurde 2010 der entscheidende Durchbruch erzielt, Stadtrat und Oberbürgermeisterin Helma Orosz befürworteten den Bau des Kulturareals im stillgelegten Kraftwerk am Wettiner Platz.

Während all dieser Jahre voller Spannungen und Unwägbarkeiten verwirklichte die Theaterleitung mit ihrem Intendanten Wolfgang Schaller innovative Konzepte und suchte neue Wege zum Publikum. Mit Chefdirigent Ernst Theis, Chefchoreograf Winfried Schneider und einer ganzen Riege neuer, junger Sänger und Tänzer wurde das Projekt »Operette im 21. Jahrhundert« in Angriff genommen. Alljährlich wurde seither ein Spielplan voller Höhepunkte präsentiert, von Gershwin bis Offenbach, von Mozart bis Kálmán reichte die Bandbreite des Angebotes. Weitere Gastspiele im In- und Ausland, vielbeachtete CD- Produktionen, musikwissenschaftliche Fachtagungen und die Aufführungen selten gespielter Meisterwerke der klassischen Operette steigerten den Bekanntheitsgrad und erweiterten den Zuschauerkreis der Staatsoperette.

Mut zu Experimenten und gekonnte Darbietung der Klassiker des Genres kennzeichneten den Umgang mit dem Genre Musical. Das über eine weitgefächerte stilistische Erfahrung verfügende Stammensemble wurde mit Gästen für Spezialaufgaben ergänzt, woraus Synergieeffekte erwuchsen, die sich in einer ganz neuen theatralischen Qualität von Musical-Interpretationen niederschlugen.

Zusätzlich realisierte Intendant Wolfgang Schaller mit Chefdirigent Ernst Theis drei vielbeachtete Konzertprojekte: »Leben in dieser Zeit« 2008, »Radio-Musiken« 2010 und »Weill – Europa und die USA« 2013. Sie befassten sich an Hand wiederentdeckter Kompositionen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den musikalischen Wurzeln des modernen Musiktheaters und erschienen – als Weltpremiere – gleichfalls in der CD-Edition des Hauses. Ein besonderes Ereignis war 2007 die Aufführung des als unspielbar geltenden Werkes „Candide“ von Leonard Bernstein in Zusammenarbeit mit dem genialen Autor und Schauspieler Peter Ensikat, der selbst als Voltaire zu erleben war.

Ein regelrechter Knaller wurde die deutsche Erstaufführung von »Catch Me If You Can!« im Frühling 2015, der von der Kritik echte Broadway-Qualität bescheinigt wurde und die bereits in München Triumphe feierte. Mit viel Spaß und Glamour verabschiedete sich 2016 auch das Musical vom alten, so traditionsreichen Haus: »La Cage aux Folles« mit Uwe Kröger und Christian Grygas in der Rolle der Zaza, ganz verschieden, aber jeder auf seine Art großartig und inspirierend, so wie all die wunderbaren Künstler, die je auf dieser liebenswerten und erstaunlichen Bühne gestanden hatten.

Als besondere Würdigung des Genres und als Spiegel und Bühne der Entwicklungen an diesem europaweit einmaligen Musiktheater wurde 2011 von Wolfgang Schaller das »Johann- Strauss- Festival« etabliert. Die Möglichkeiten, hervorragende Werke der Strauss- Epoche in dichter Folge und kompetenter Interpretation zu sehen und begleitende Veranstaltungen zu besuchen, verbanden sich dabei zu einem faszinierenden Theatererlebnis neuer Dimension.



Die Herzogin von Chicago 2003
Besetzungszettel "Die Herzogin von Chicago",
Premiere 07.11.2003


Viktoria und ihr Husar 2004
Besetzungszettel "Viktoria und ihr Husar",
Premiere 25.06.2004


Inszenierungen der Intendanz Schaller

Oper Zauberflöte 2008

Jubiläumsgala 65 Jahre 2012
Ballettsaal Training 2013

Inszenierungen der Intendanz Schaller
Finale Letzter Vorhang Zukunft 2016
Eröffnung Kraftwerk Mitte

Ein Traum wurde Wirklichkeit. Vom ersten Spatenstich an gaben Planer und Bauleute ihr Bestes, um den imposanten Komplex von Kulturbauten auf dem brachliegenden Kraftwerksgelände fristgerecht und in hoher Qualität fertigzustellen.
Mit Geduld, Professionalität und Gestaltungswillen bewältigten sie alle auftretenden Schwierigkeiten und erlebten mit Stolz das Werden beispielhafter moderner Theaterbauten. Die Mitarbeiter von Staatsoperette und Theater der jungen Generation leisteten Übermenschliches, um den Umzug der Theater und Werkstätten aus Cotta und Leuben ins Zentrum der Stadt zu bewerkstelligen. Gleichzeitig bereiteten sie die Eröffnungspremieren unter den Bedingungen gänzlich neuer Arbeitsumgebungen und immensem Zeitdruck vor.
Ihr Wissen, ihr Können und ihre Kraft führte zum Erfolg. So hatten die Dresdner und ihre Theaterleute am 16. Dezember 2016 allen Grund zum Feiern.
Mit einem unkonventionellen, fröhlichen und poetischen Festakt begann das neue Kapitel in der Geschichte der Dresdner Volkstheater. Die Errichtung der neuen Spielstätten, getragen vom Bürgerwillen der Dresdner, kann man getrost als kulturelle Großtat bezeichnen, eine Investition in die Zukunft und Lebensqualität der Landeshauptstadt.

Bühnenweihe Kraftwerk Mitte
Inszenierungen 2016-19 zum Anfang der Seite





Die Entwicklung der Staatsoperette seit 2019



Kathrin Kondaurow

Am 1. August 2019 übernahm die Musiktheaterdramaturgin Kathrin Kondaurow (35) die Intendanz der Staatsoperette Dresden
und etablierte das neue Logo und den Slogan "Broadway in Dresden".
Sie eröffnete ihre erste Spielzeit am 7. September 2019 mit der Revue "Hier und Jetzt und Himmelblau" von Jan Neumann. Mit Martin G. Bergers Inszenierung des Musicals "Follies" (Sondheim) begann für das Ensemble die Suche nach einem neuen Profil und Weg für dieses traditionsreiche Musiktheater. Nach der musikalisch äußerst positiv bewerteten (Musikal. Ltg.: Andreas Schüller), aber szenisch mißlungenen Premiere der Operette "Die Banditen" von Offenbach (28.2.2020, Regie Valentin Schwarz) fand die Spielzeit 2019/20 durch den Corona-Shutdown ein vorzeitiges Ende.

DNN-Artikel von Andreas Schwarze
Vorab-Interview mit Regisseur Valentin Schwarz Februar 2020






Für die Spielzeit 2020/21 waren als Premieren geplant: "Blondinen bevorzugt!"(Styne, 2.10.2020); "Cinderella" (Rodgers,28.11.2020); "Die lustigen Weiber von Windsor" (Nicolai, 6.2.2021); "Polnische Hochzeit" (Beer, 24.4.2021).

Zum Spielzeitbeginn 2020/21 traten der neue Chefdirigent Johannes Pell und die Dramaturgin Dr. Judith Wiemers ihre Engagements an. Als Eröffnungspremiere wurde anstatt "Blondinen bevorzugt!" "Menschen im Grand-Hotel" (Abraham) in halbszenischer Aufführung präsentiert.

Das Spielzeitheft 2020/21 wird mit einem Grußwort der Gleichstellungsbeauftragten der Landeshauptstadt Dresden eingeleitet:

"Sehr geehrtes Publikum,
ein buntes Musiktheater besteht erfahrungsgemäß aus Mitarbeiter*innen verschiedenster Herkunft, Sprachen und Gesinnungen – und zwar gleichberechtigt nebeneinander. Selbstredend sollte dies auch für die unterschiedlichen Geschlechter gelten. Aber wie steht es grundsätzlich um die Sichtbarkeit von Frauen in einem künstlerischen Betrieb? Sie spiel(t)en bisher mehrheitlich aufgrund geschlechtsspezifischer Zuschreibungen eine vorwiegend passive Rolle, beispielsweise als Aktricen unter dem Kommando männlicher Regisseure oder in den Drehbüchern als Objekt einer männlichen Vorstellungskraft. Auch in Regie oder Produktion traten sie bisher selten in Erscheinung.

Seit Beginn der Spielzeit 2019/20 geht die Staatsoperette neue Wege. So leitet das Haus nun eine Intendantin, und es wird mit deutlich mehr Regisseurinnen gearbeitet, um deren fachliche Qualitäten sichtbarer werden zu lassen – und dies heißt nicht, dass Gender- Aspekte über künstlerische Fähigkeiten gesiegt hätten … Auch das Ensemble hat sich das Thema Gleichstellung auf die Fahnen geschrieben. Es will stärker von den unterschiedlichen Blickwinkeln profitieren und die Vielfalt, welche verschiedene Geschlechter in ihre Arbeit einbringen können, intensiver widerspiegeln. Was gibt es Schöneres, als eine gleichberechtigte Teilhabe Aller vor, auf und hinter der Bühne? In diesem Sinne – Vorhang auf! Ihre Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah"


Intendantin Kathrin Kondaurow schließt sich an:
"Sehr verehrtes, liebes Publikum! Die letzten Wochen und Monate waren von großer Ungewissheit geprägt – wie sehr und wie lange würde die Corona-Pandemie das gesellschaftliche und soziale Leben eingrenzen, ab wann würde es wieder möglich sein, Theater zu spielen, die Staatsoperette für den Spielbetrieb zu öffnen? Jetzt ist es so weit: Wir haben eine Perspektive und für Sie einen Spielplan entwickelt, der es uns ermöglicht, auf der Bühne unter notwendigem Abstandsgebot zu spielen und Sie dennoch gewohnt facettenreich zu unterhalten. Die Ursprungsplanung mussten wir ein wenig umstellen, so ist von unserer Eröffnungspremiere „Blondinen bevorzugt! (Gentlemen Prefer Blondes)“ in dieser Spielzeit lediglich oben stehender Titel verblieben, auf die Premiere im Herbst 2021 dürfen Sie sich bereits jetzt freuen. Dennoch bleiben wir unserem Diskurs zur Geschlechteridentität treu, denn als Staatsoperette sind wir in einem Genre unterwegs, das nur so vor Geschlechterklischees, vor Rassismen und Sexismen strotzt – wir kommen gar nicht umhin, uns selbstkritisch damit zu befassen.
Wie gehen wir beispielsweise als Gesellschaft mit geschlechterspezifischen Zuschreibungen um – erfüllen wir sie oder lehnen wir sie ab, widerlegen wir sie und krempeln sie um? Gibt es überhaupt noch eine eindeutige Zuordenbarkeit von männlichen und weiblichen Attributen, die bestimmen, wer Mann und wer Frau ist? Alles Fragen, denen wir uns in dieser Spielzeit stellen werden, indem wir Geschlechterrollen hinterfragen und zugleich einkreisen, was Männlichkeit und Weiblichkeit heute bedeuten.
„Märchen im Grand-Hotel“ heißt die erste Premiere der Saison. Welch anderer Ort als ein Hotel böte sich besser an, um Rollenspiele, Beziehungskonstellationen und Ständedünkel unter ein Brennglas zu legen? Ein lustvolles Verwirrspiel à la Hollywood entsteht, bei dem Marylou, moderne, selbstbestimmte Tochter des amerikanischen Filmproduzenten Makintosh, das Wertesystem des altehrwürdigen französischen Hotels und seiner Bewohner mächtig auf den Kopf stellt und gleichzeitig filmisch konserviert. Getragen von Paul Abrahams vielseitiger Musik – von Walzer bis Foxtrott, Tango bis Jazz – führt Sie der verliebte Kellner Albert anekdotenreich durch den Abend.
Der Märchenklassiker „Cinderella“, unser Familienmusical als zweite Premiere der Saison, ist ebenfalls gespickt mit Rollenklischees. Die neue Broadway-Fassung von Rodgers und 8 Hammerstein II erlaubt jedoch eine modernere Lesart: Ella kann den mit sich und der Monarchie hadernden Prinzen durch ihre Natürlichkeit und Klugheit gewinnen – nicht die Schönheit ist ausschlaggebend! Gemeinsam besänftigen sie das zur Revolution aufrufende Volk und sogar die Stiefmutter entdeckt ihren Familiensinn. Ein Plädoyer für Menschlichkeit, Toleranz, Miteinander und den Glauben an sich selbst! In Zeiten von Social Media und „Germany‘s Next Topmodel“ ein Muss für Groß und Klein!
In unserer dritten Premiere nehmen wir das männliche Geschlecht näher unter die Lupe. Denn in Otto Nicolais Spieloper „Die lustigen Weiber von Windsor“ haben wir es mit einer besonderen Spezies Mann zu tun: Sir John Falstaff, unverbesserlicher Chauvinist und Lebemann, der aufgrund seiner skurrilen Charakterzeichnung dazu einlädt, sich mit der Frage nach neuen Männlichkeitsbildern zu befassen. Shakespeare hat mit seiner Komödienvorlage einen wahren Antihelden geschaffen, der scheinbar alle Klischees eines patriarchalisch geprägten, narzisstisch agierenden Mannes erfüllt. Gleichzeitig konterkariert dieser Falstaff dieses Rollenbild – und wird von einer sehr emanzipiert agierenden Damenwelt an der Nase herumgeführt. Doch wer ist eigentlich wer und wer spielt hier mit wem?
Eine dem Falstaff nicht unähnliche Figur schuf der Komponist Joseph Beer gemeinsam mit seinen Librettisten Fritz Löhner-Beda und Alfred Grünwald in dem 1937 uraufgeführten Werk „Polnische Hochzeit“: Der in die Jahre gekommene Graf Staschek liebt es, zu heiraten – vor allem jüngere Frauen. Doch als er die Braut seines als vermisst geltenden Neffen ehelichen möchte, wird es turbulent. Erzählt wird die Geschichte eines Kriegsheimkehrers, der mit den Traditionen seiner Heimat bricht und von mutigen Frauen, die sich gegen die ihnen zugeschriebenen Rollenklischees zur Wehr setzen. Als deutsche szenische Erstaufführung widmen wir unsere vierte Premiere diesem Meisterwerk, das musikalisch raffiniert zwischen slawisch-folkloristischen Elementen und schmissigen Jazzsounds changiert. Doch nicht nur die Befragung von Geschlecht, Identität und Rollenbildern steht im Fokus dieser Spielzeit – nach wie vor bleiben wir unserem Motto „Broadway in Dresden“ als Garant für lebendiges, vielseitiges und hochwertiges Unterhaltungstheater treu. Neben dem diskursiven Ansatz geht es vor allem auch um Sinnlichkeit, darum, einen Theaterabend zu erschaffen, der mit allen Mitteln der Kunst verführt und berührt – und Ihnen und uns lange in Erinnerung bleibt.
Ganz besonders freue ich mich in dieser Spielzeit auf fesselnde, überraschende und berührende musikalische Impulse in Zusammenarbeit mit unserem neuen Chefdirigenten Johannes Pell, der sich Ihnen mit seinen Interpretationen von „Die lustigen Weiber von Windsor“ und „Polnische Hochzeit“ in unseren Neuproduktionen vorstellen wird. Seien Sie eingeladen, mit uns in den Diskurs zu treten oder einfach nur zu genießen – wir freuen uns auf viele eindrucksvolle gemeinsame Theateraugenblicke!

UNSERE DIESJÄHRIGE FOTOSERIE
An jedem Theater der Welt stellt sich für alle Künstler*innen die Frage nach der Sichtbarkeit. Die Staatsoperette ist ein Haus mit einem großen Sänger*innen-Ensemble, Chor, Ballett und Orchester. Alle Ensembles und künstlerischen Kollektive sind beteiligt an den künstlerischen Prozessen, stehen für die Qualität des Hauses und der Produktionen. Deswegen ist es mir, als Intendantin der Staatsoperette, ein großes Anliegen, mit allen Künstler*innen nach außen zu strahlen und das Haus zu repräsentieren.
Nachdem die erste Kampagne der vergangenen Spielzeit dem Ballett gewidmet war, bestreitet die diesjährige Fotoserie das Orchester. Die Gruppenfotos zeugen von Vielfalt und Miteinander, von lebendigem und kreativem Austausch. Für die Kampagnenbilder zu unseren Premieren konnten einzelne Musiker*innen gewonnen werden, die von der Künstlerin und Fotografin Esra Rotthoff im Kontext der jeweiligen Stücke und unter Maßgabe unseres diesjährigen Diskurses zur Geschlechteridentität inszeniert wurden. Entstanden sind verführerische Bildwelten, die mit scharfem Blick Musik und Erzählung sowie den Diskurs zusammenführen. Die Fotoserie mit unseren Solist*innen entführt in die alte Schaltwarte im Lichtwerk, einem der Staatsoperette nahe gelegenen Ort, nur einen Steinwurf entfernt. Verwunschen und historisch erzählt er von einer fast vergessenen Zeit. Ein Zeitdokument, eine Erinnerung an das, was war, wie der Klang einer Stimme – zunächst stark und präsent, dann schon verschwommen und brüchig. Es entsteht ein Kontrast zwischen funktionaler Ästhetik der Schaltwarte und glamouröser Aufmachung unserer Solist*innen. Die Fotografien lassen an einen Schnappschuss vor oder nach einer Aufführung denken, die Mimik der Solist*innen transportiert Spannung, die abfällt oder gerade aufgebaut wird. Esra Rotthoff verfolgt in ihrer Arbeit einen ganzheitlichen Ansatz, indem sie Orte und zu fotografierende Protagonist*innen über ihre Geschichten, ihre individuelle Aura, Ästhetik und Persönlichkeit zu einem Ganzen fügt und darüber einen neuen, vielfältigen Assoziationsraum öffnet. Lassen Sie sich verführen – von unseren Bilderwelten in den Fotoarbeiten und auf der Bühne!
Ihre Kathrin Kondaurow"

(Auszüge aus dem Spielzeitheft 2020/21 der Staatsoperette Dresden, S.4;S.6-8)

Spielzeitheft 2020-21 (Theaterarchiv Schwarze)


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Spielzeit 2020/21 - Theater in der Corona-Krise

DNN-Rezension von Andreas Schwarze
Eröffnungskonzert Staatsoperette September 2020

DNN-Artikel von Andreas Schwarze
Porträt Sängerin Christina Maria Fercher Oktober 2020

2. November 2020 - Covid 19-Shutdown des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens

DNN-Artikel von Andreas Schwarze
Offener Brief der Kulturschaffenden November 2020

DNN-Artikel von Andreas Schwarze
Cinderella-Interview Dezember 2020

An den Weihnachtsfeiertagen 2020 erlebte die Musical-Neuproduktion der Staatsoperette von Rodgers und Hammersteins „Cinderella” ihre digitale Premiere als Video on Demand. Die Inszenierung von Regisseurin Geertje Boeden, deren ursprüngliche Premiere für den 28. November 2020 geplant war, wurde von einem professionellen Produktionsteam aufgezeichnet und vom 25. Dezember bis zum 26. Dezember kostenpflichtig online zur Verfügung gestellt.

Am 8. Februar 2021 starb die ehemalige Solotänzerin, Ballettmeisterin und Choreografin der Staatsoperette Ingeborg Kassner-Pfund im Alter von 95 Jahren. Von 1959 bis 1988 gehörte sie zum Ensemble des Hauses und prägte damals sowohl das Ballettensemble als auch viele Inszenierungen des Theaters maßgeblich. Ingeborg Kassner-Pfund begann 1959 ihre Karriere als Ballettsolistin am damaligen Operettentheater Dresden, 1978 wurde sie Ballettmeisterin und blieb in dieser Funktion bis 1988 der Staatsoperette erhalten. Ihre Choreografien sprudelten vor künstlerischen Ideen, wunderbarem Humor und Überraschungselementen. Ihre letzte choreografische Arbeit an der Staatsoperette war 1988 Johann Strauss‘ „Wiener Blut”. 1985 wurde Ingeborg Kassner-Pfund zum Ehrenmitglied der Staatsoperette ernannt. Als 2016 die Staatsoperette ihre neue Spielstätte im Kraftwerk Mitte bezog, war Ingeborg Kassner-Pfund selbstverständlich unter den Ehrengästen.

DNN-Artikel von Andreas Schwarze
Nachruf auf Ingeborg Kassner-Pfund Februar 2021

Ab 20. Mai präsentierte die Staatsoperette ein neues Online-Format und nahm ab 5. Juni ihren Spielbetrieb im Kraftwerk Mitte wieder auf.
REINGEHÖRT! Konzert – Die YouTube-Premieren
Solist*innen, Orchestermusiker*innen und Gäste der Staatsoperette boten ab 20. Mai auf dem YouTube-Kanal des Hauses unter dem Titel REINGEHÖRT! Konzert ein vielfältiges Programm im Rahmen eines digitalen Spielplans an. Jeden Donnerstag wurde ein neues, ca. halbstündiges Konzert veröffentlicht, das den Facettenreichtum des Ensembles widerspiegelte und musikalische Einblicke in die Premieren und Konzertformate der Spielzeit gab. Die digitale Konzertreihe startete am 20. Mai mit Musik aus dem Operettenspaziergang "Ich hab noch einen Koffer in..." Solist*innen und Musiker*innen liessen darin mit Hits aus Gerd Natschinskis "Mein Freund Bunbury" oder Guido Masanetz‘ "In Frisco ist der Teufel los" DDR-Musicalklänge Revue passieren.

Auf ein Neues – Endlich wieder live vor Publikum

Reichlich drei Wochen später, am 5. Juni, startete dann mit einem Konzert endlich wieder der Spielbetrieb im Haus: Solist*innen, Musiker*innen und Gäste zollten mit "Come Fly with Me – Hommage an Frank Sinatra" einem großen Künstler Anerkennung und präsentierten die größten Hits des Rat Pack-Trios und seines prominentesten Mitglieds.
Mit dabei: Das Orchester und die Solisten der Staatsoperette Christian Grygas, Andreas Sauerzapf und Marcus Günzel sowie als exklusive Gäste die griechische Sängerin Vasiliki Roussi und der Arrangeur und Posaunist Manfred Honetschläger. Die musikalische Leitung des Konzerts lag in den Händen von Peter Christian Feigel.

Erste Premiere nach sieben Monaten Zwangspause: "Die Fantasticks"
(Buch und Liedtexte von Tom Jones | Musik von Harvey Schmidt Deutsche Übersetzung von Nico Rabenald) am 10. Juni 2021
Pressetext Staatsoperette:"Neben Staatsoperetten-Intendantin Kathrin Kondaurow, unter deren Regie die facettenreiche Inszenierung entstanden ist, steht ein vielseitiges Team: Für den richtigen Sound zeichnet der hauseigene Musicalspezialist Peter Christian Feigel verantwortlich. Das fantasievolle Bühnenbild stammt von Ausstattungsleiterin Esther Dandani, die charakteristischen Kostüme von Anke Aleith, Kostümassistentin der Staatsoperette. Mit seinen verspielten Choreographien setzt Jörn-Felix Alt tänzerische Akzente und Videodesigner Vincent Stefan verzaubert mit seinen kunstvollen Filmsequenzen."

DNN-Rezension von Andreas Schwarze
Fantasticks Juni 2021

Premiere 18. Juni 2021 "So verliebt in die Liebe"
Eine Operetten-Revue mit Musik von Franz Lehár und Oscar Straus
Pressetext Staatsoperette:Mit Charme, Witz und natürlich mit wundervoller Musik präsentieren Solist*innen, das Ballett und das Orchester der Staatsoperette in sechs fantasievollen Revue-Bildern die unterschiedlichen Facetten der Liebe. Auf dem Programm des eigens vom Haus konzipierten Abends steht Musik aus Operetten von Franz Lehár und Oscar Straus, etwa aus Schön ist die Welt, Die Juxheirat, Der Zarewitsch, Die blaue Mazur und Ein Walzertraum. Unter der musikalischen Leitung von Chefdirigent Johannes Pell singen Christina Maria Fercher, Steffi Lehmann, Jeannette Oswald, Silke Richter, Ingeborg Schöpf, Elmar Andree, Matthias Koziorowski, Nikolaus Nitzsche, Andreas Sauerzapf, Timo Schabel sowie Gerd Wiemer und musiziert das Orchester der Staatsoperette. Die Damen und Herren des Balletts setzte Choreografin Mandy Garbrecht in Szene. Silke Richter und Andreas Sauerzapf führen als Conférencier-Doppel durch den heiter-lehrreichen Abend.

9. Juli 2021 „Wäre es doch immer so!”
Pressetext Staatsoperette:"Im Rahmen des Festjahres 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland präsentiert die Staatsoperette am 9. Juli das Konzert „Wäre es doch immer so!”. Auf dem Programm steht dann Unterhaltungsmusik jüdischer Komponisten u.a. von Friedrich Hollaender, Joseph Beer, Nikolaus Brodszky und Abraham Ellstein.
Laila Salome Fischer und Bryan Rothfuss bringen von einem Instrumentalensemble begleitet ein Repertoire zu Gehör, das neben Filmschlagern, Tango und Klezmer auch die berührenden und gewitzten jiddischen Operettenlieder umfasst, die einst in den Unterhaltungsvierteln der amerikanischen Metropolen aufgeführt wurden und heute fast vergessen sind."


Die Saison 2021/22 an der Staatsoperette
Pressetext Staatsoperette:"Die Staatsoperette startet am 15. Juli ihren Vorverkauf für die Saison 2021/22, die sich inhaltlich nach fast zwei Jahren voller Einschränkungen dem Thema der Träume und Sehnsüchte widmet: der Sehnsucht nach der Ferne, nach Liebe, Glück und Reichtum, nach dem Traum von einer idealen Welt. Gestartet wird mit dem Dauerbrenner des Musiktheaters „Im weißen Rössl” in einer schmissigen Fassung für Band und Streichquintett. „Blondinen bevorzugt! (Gentlemen Prefer Blondes)” heißt die zweite Premiere der Saison – ein Kultstück, das durch die Verfilmung mit Marilyn Monroe weltberühmt wurde. Der Märchenklassiker „Cinderella” bringt zur Adventszeit als mitreißendes Musical die Geschichte vom armen Aschenputtel auf die Bühne. Einen temporeichen Abend voller spritziger Dialoge, umwerfender Situationskomik und Musik von Tango bis Foxtrott verspricht eine der beliebtesten Operetten: „Der Vetter aus Dingsda”. Um den Traum vom plötzlichen Reichtum dreht es sich in der turbulenten Kabarett-Revue „Zwei Krawatten”. Weil ein mittelloser Kellner seine schlichte Krawatte gegen eine seidene Ballkrawatte tauscht, wird er im Handumdrehen zum feinen Gentleman. Mit „Casanova”, einer weiteren Revue-Operette, schließt die Spielzeit. Humorvoll wird das Leben des legendären Machos Casanovas – besser gesagt, die Geschichten, die wir nicht von ihm kennen – erzählt. Ralph Benatzky verwendete Kompositionen von Johann Strauss und kreierte walzerselig-schmissige Melodien. Unter dem Titel „Ein Lied geht um die Welt“ konzipierte Chefdirigent Johannes Pell eine neue Konzertreihe, die Einblicke in die Musical- und Operettenliteratur rund um den Erdball gewährt. Weiter im Repertoire: „My Fair Lady”, „So verliebt in die Liebe – Operetten-Revue”, „Die Fantasticks”, „Märchen im Grand-Hotel”, „Die lustige Witwe”, „Die Csárdásfürstin”, „Hier und Jetzt und Himmelblau” und „Die Zauberflöte“





Laut Intendantin Kathrin Kondaurow (Artikel von Bernd Klempnow SZ vom 23. Juni 2021) wird die Staatsoperette im 75. Jahr ihres Bestehens "Magie entfachen".
Neben Neuinszenierungen und Repertoire-Übernahmen wird es viele neue Veranstaltungsformate, Koproduktionen mit tjg und Zentralkino, Theaterfeste, Operettendiscos, umfangreiche Pädagogik-Angebote und neue Abo-Varianten geben, z.B. ein Flatrate-Abo für Schüler, Azubis und Studenten für 35 €/Jahr.


Hier geht es zum aktuellen Spielzeitbuch 2022/23 der Staatsoperette Dresden

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Bestand im Theaterarchiv Schwarze Dresden




Galerie

Bildtafeln von A. Schwarze aus der Foyer-Retrospektive
zum 65. Jubiläum der Staatsoperette 2012













Das neue Theater auf dem Gelände des Kraftwerks Mitte


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